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Im Laufe der zweieinhalbtausendjährigen Geschichte des
Philosophierens haben die verschiedenen Philosophen und
Philosophenschulen eine Fülle von Menschenbildern
hervorgebracht, die ihrem Wesen nach jeweils einer der drei im
folgenden näher beschriebenen Kategorien zugeordnet werden
können.
Das dreidimensionale Menschenbild
Es ist das umfassendste und sagt aus, dass der Mensch drei
unterschiedlichen, in bestimmter Hinsicht voneinander
unabhängig geregelten Seinsbereichen angehört:
- Der Welt, bzw. der Natur, die er mit den Sinnen wahrnimmt.
- Seinem eigenen von innen her bewegten geistigen Standort,
den er vor allem durch Einsicht und Denken wahrnimmt.
- Dem Sein aller Dinge selbst, dem Urgrund, den er mit
geistigem "Auge" wahrzunehmen imstande ist. Viele
Philosophen nennen diesen Urgrund entsprechend der
christlichen Tradition unseres Kulturkreises Gott, aber auch
Begriffe wie ewige Wahrheit, das wirklich Gute, das
unveränderliche Eine u.a.m. sind und waren im Gebrauch.
Dieses Menschenbild findet sich vor allem in den Anfängen
der abendländischen Philosophie bei Platon, bei Plotin und bei
Augustinus.
» Details:
Philosophen und Denkrichtungen mit dreidimensionalen
Menschenbildern
Das zweidimensionale Menschenbild
Dies besagt, dass der Mensch nur zweien der oben
beschriebenen drei Seinsbereiche angehört, nämlich der
sinnlich wahrnehmbaren Welt bzw. Natur einerseits und seinem
eigenen durch das Denken wahrnehmbaren geistig-seelischen
Bereich andererseits. Der dritte Seinsbereich wird hier entweder
bestritten, oder ist als nur zu denkender Urgrund auf eine
Denkkategorie reduziert, wie bspw. bei Descartes und bei Kant.
Diese Entwirklichung des Urgrundes hat weitreichende
Konsequenzen für das Glück.
Vertreten wurde dieses Menschenbild bereits in den Anfängen
der Philosophie. Es ist bei Aristoteles, anderen antiken
Philosophen sowie Vertretern der mittelalterlichen Scholastik
wie Thomas von Aquin zu finden.
» Details:
Philosophen und Denkrichtungen mit zweidimensionalen
Menschenbildern
Das eindimensionale Menschenbild
Dies besagt, dass der Mensch nur einem der oben
beschriebenen Seinsbereiche angehört.
Wird der Mensch im Wesentlichen der Welt bzw. der Natur
zugeordnet, dann handelt es sich um ein materialistisches
Weltbild. Der menschliche Geist wird zwar nicht verleugnet, aber
eher als Anhängsel, Begleiterscheinung der Materie verstanden,
wie schon in der Antike Epikur und in der Neuzeit die Empiristen
u.a. behaupteten. Auch evolutionstheoretische und biologische
Ansätze, wie heute durch die Gehirnforschung vertreten, sind im
wesentlichen materialistische Sichtweisen des Menschen.
Wird der Mensch hauptsächlich seiner eigenen geistigen
Welt zugeordnet, wie dies in der Neuzeit bei Hegel und
Fichte explizit festzustellen ist, dann spricht man vom
Geistmonismus. Dieser versteht alles, was ist, als von einem
absoluten, objektiven Geist bzw. denkenden Geist des Menschen
abhängig bzw. erschaffen. Letztere Spielart des
Eindimensionalen ist im abendländischen Denken seltener als die
materialistische, was vermutlich mit der dem Abendländer
eigenen Weltzugewandtheit zu tun hat. Unter den Vorsokratikern
(griechische Philosophen des 7. bis 5. Jahrhunderts v.Chr.,
Sokrates ausgenommen) sind es vor allem Pythagoras und Heraklit,
deren Denken Vergleichbares prägt.
Noch seltener ist eine Eindimensionalität, die sich den
Menschen mit seinen natürlich-körperlichen und
geistig-seelischen Ausstattungen als Anhängsel und Werkzeug
einer höheren, über dem Menschen stehenden geistigen Welt
denkt. Dabei berücksichtigt sie durchaus den Wert der
unterschiedlichsten individuellen Bedürfnisse und Begabungen.
Diese aber - ob sich nun der einzelne dessen bewusst ist oder
nicht - dienen einem unsichtbaren Weltenplan, der sich in der
Auseinandersetzung zwischen dunklen und hellen, bzw. bösen und
guten Mächten vollzieht und einer Erlösung zustrebt. Diese
heute unter Begriffen wie Spiritualität und Esoterik
anzutreffende Eindimensionalität, die auch Grundlage der
Anthroposophie Rudolf Steiners ist, findet ebenfalls schon in
den geistigen Anfängen unseres Kulturkreises ihre Vertreter und
Anhänger, die als Gnostiker
bezeichnet werden.
» Details:
Philosophen und Denkrichtungen mit eindimensionalen
Menschenbildern
(Autorin: Monika Wirthgen)
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"Ethik" / Weitere
Informationen zu "Menschenbilder": net-lexikon.de |
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