Glücklich sein
bedeutet für jeden etwas anderes. Ist es daher überhaupt
möglich, Antworten auf die Frage "Wie werde ich
glücklich?" zu finden? Empirisch arbeitende
Glücksforscher versuchen es, indem sie zunächst Menschen
befragen, ob und wann sie glücklich sind, und anschließend
analysieren, ob Gemeinsamkeiten zwischen glücklichen Menschen
existieren. Schließlich versuchen sie, daraus die Frage
"Wie werde ich glücklich" zu beantworten.
Welche Menschen sind glücklich?
Glückliche Menschen haben ihr Leben selbst in der Hand, das
heißt auch, dass sie meinen, ihr eigenes Glück (und auch ihr
Unglück) selbst herbeiführen zu können.
Glückliche Menschen schaffen die Balance zwischen Anspannung
und Entspannung.
Glückliche Menschen schaffen die Balance zwischen dem, was
sie haben und dem, was sie wollen; zwischen Möglichkeiten und
Ansprüchen.
Glückliche Menschen sind kreativ und neugierig.
Glückliche Menschen sind nicht auf das Glück fokussiert,
sondern leben und nehmen die Freuden des Lebens einfach mit.
Glückliche Menschen haben (lt. Glücksforscher Ed
Diener) häufig positive Ereignisse - dabei ist die
Häufigkeit und nicht die Intensität entscheidend. Es scheint
besser, sich bei vielen kleinen Anlässen wohlzufühlen und sich
zu freuen, statt auf das "große Glück" zu warten.
Glückliche Menschen sind Realisten bei der Einschätzung
ihrer Ziele und Möglichkeiten.
Sie senken entweder die Ansprüche ab, oder intensivieren die
Anstrengungen. Sie mischen kurz- und langfristige Interessen,
Wünsche und Lebensziele. Sie geben ihrer Existenz einen
übergeordneten Sinn, indem sie (lt. Glücksforscher David
Myers) zum Beispiel irgendeine Form eines geistigen Glaubens
besitzen. Sie sind nicht nur augenblicksabhängig und
genussorientiert (also nicht hedonistisch), aber sie sparen sich
auch nicht auf, sie leben im Hier und Jetzt.
Glückliche Menschen investieren in ihrer sozialen
Beziehungen, sie bekommen Unterstützung von Freunden und der Familie.
Außerdem glauben sie, dass andere Menschen sie schätzen und
mögen (egal ob das der Wahrheit entspricht).
Glückliche Menschen sind eher extravertiert, optimistisch
und haben ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Diese
Eigenschaften sind teilweise genetisch bedingt. Ebenso ist die
Anfälligkeit für negative Gefühle teilweise erblich bedingt.
Die Fähigkeit zum Glückserleben wird jedoch nicht vererbt,
sondern lässt sich erlernen.
Menschen sind (lt. Glücksforscher Mihaly
Csikszentmihalyi) glücklich beim Essen, Reden, bei
Geselligkeit, beim Sex, wenn sie
Hobbys nachgehen, Sport machen oder ins Kino gehen. Neutrale
Gefühle haben sie beim Ausruhen, bei der Körperpflege und beim
Fernsehen. Keine Glücksgefühle
sind da, wenn sie dem Beruf nachgehen, Lernen oder Hausarbeit
machen.
Neben den Aktivitäten, die Glücksgefühle auslösen, gibt
es nach Csikszentmihalyi Aktivitäten, die ein weiteres
erstrebenswertes Gefühl auslösen, das dem Glück sehr verwandt
ist und nach seiner Meinung am besten mit dem Begriff Flow
zu bezeichnen ist. Flow entsteht bei Geselligkeit, Reden, Sex,
Hobbys nachgehen, Sport machen, ins Kino gehen, dem
Beruf nachgehen, Lernen und Autofahren - generell bei
Aktivitäten, die weder über-, noch unterfordern. Flow entsteht
nicht bei Ausruhen oder Fernsehen.
Reiche Menschen sind nicht
glücklicher als Durchschnitt. Lediglich für sehr arme Menschen
ist Geld und Glück gekoppelt.
Intelligenz oder körperliche Schönheit machen nicht
glücklich, d.h. Kluge und Schöne sind nicht glücklicher als
der Durchschnitt.
Schwere Verletzungen (z.B. eine Querschnittslähmung) machen
die Betroffenen nicht für den Rest des Lebens unglücklich -
nach etwa einem Jahr ist das frühere bzw. durchschnittliche
Glücksniveau erreicht.
Glücksrezepte
Jeder Mensch hat seine persönliche Glücksformel. Fasst man
die oben genannten Erkenntnisse zusammen, kommen dennoch einige
allgemeine Empfehlungen zustande:
Genieße den Augenblick
Achtsamkeit und volle
Konzentration auf das, was gerade passiert, ganz bei der Sache
bleiben, ohne dabei an etwas anderes zu denken erzeugt Flow und
damit auch Glück.
Beziehungen zu anderen Menschen haben oberste Priorität
Menschen fühlen sich am häufigsten und intensivsten
glücklich, wenn sie mit anderen zusammen sind. Liebe,
Freundschaft, Geselligkeit, Kameradschaft sind auch im Zeitalter
des Individualismus das beste Mittel für Glück.
Konzentriere Dich auf das Wesentliche
Für viele in den westlichen Industrieländern sind die
Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, fast unbegrenzt,
sofortige Bedürfnisbefriedigung ist garantiert. Der ungebremste
Hedonismus kippt um in sein Gegenteil: Anhedonie, die
Unfähigkeit, Freude empfinden oder genießen zu können. Die
Gegenstrategie lautet: Nicht wahllos konsumieren, die
Bedingungen des Genießens kontrollieren, sich auf das
Wesentliche konzentrieren, sich der Dauerberieselung und
Überfütterung entziehen.
Fordere Dich in Arbeit und Freizeit
Das Ausreizen der eigenen Talente und Fähigkeiten führt zu
Flow und Stolz auf auf die eigene
Leistung und steigert das Selbstwertgefühl.
Tue so, als ob Du glücklich wärst, und Du wirst es sein
Z.B. verändert Lächeln unsere
Stimmung, egal ob es ein echtes Lächeln ist oder nicht. Der
Glücksforscher David Myers sagt dazu: "Going through the
motions triggers the emotions."
Übe Dich in Gelassenheit
Das Glück lässt sich nicht erzwingen. Verzichten- und
Aufschiebenkönnen, sich nicht unablässig als Nabel der Welt
sehen führt zu mehr Glück. Glück bedeutet, nicht von sich
selbst besessen zu sein.
Zitate
Alles ist gut. Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er
nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles,
alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort,
im selben Augenblick.
(Dostojewski: Dämonen)
Wir leben nicht, wir hoffen, irgendwann einmal zu leben.
(Blaise Pascal) |