Unsere Einstellung zu "Arbeit"
ist bemerkenswert widersprüchlich:
Untersuchungen zeigen, dass sich Menschen bei der Arbeit im
Allgemeinen geschickt und herausgefordert fühlen und daher
glücklich, stark, kreativ und zufrieden sind. In der Freizeit
fühlen sie sich dazu im Vergleich eher traurig, schwach,
gelangweilt und unzufrieden. Dennoch wollen viele Menschen, wenn
sie gefragt werden, weniger arbeiten und mehr freie Zeit haben.
Es scheint, dass wir unsere eigenen Erfahrungen missachten und
eher von Vorurteilen geleitet sind, wenn wir Arbeit beurteilen.
Neben diesem Sachverhalt kann Unzufriedenheit bei der Arbeit
folgende Quellen haben:
1. Mangel an Abwechslung und Herausforderung.
2. Konflikte mit Kollegen, besonders mit Vorgesetzten.
3. Ausgebrannt sein (zu viel Druck, zu viel Stress, zu wenig
Zeit für sich und für die Familie.)
Die
Arbeitsinhalte selbst spielen weniger oder gar keine Rolle bei
unserer Beurteilung. In den meisten Fällen kann jeder Beruf
angenehmer gemacht werden, indem die Tätigkeit reichhaltiger
gemacht oder indem der Beruf selbst verändert wird. Je besser
die Ziele eines Berufes bzw. einer Tätigkeit definiert sind,
umso einfacher ist es für den Ausübenden, Flow
zu erleben. Das gleiche gilt, je mehr direktes Feedback bei der
Arbeit gegeben wird.
Der Entdecker des "Flow"-Prinzips, Mihaly
Csikszentmihalyi, hat zusätzlich in den letzten Jahren zusammen
mit zwei anderen amerikanischen Wissenschaftlern im Good
Work Project untersucht, wann wir "gute Arbeit"
machen. Dabei ist "gut" tatsächlich im doppelten
Wortsinn zu verstehen: Die Arbeit tut uns gut und sie ist gut.
Sie fanden dabei durch Hunderte von Interviews drei Aspekte, die
zu diesem Ziel führen: Mission, Vorbild und eigene Moral.
Im Detail lassen sich daraus die folgenden Aufgaben bzw.
Fragen ableiten:
Mission
Bestimme die zentrale Mission Deiner Arbeit.
Frage Dich:
- Welches gesellschaftliche Bedürfnis wird durch die Ergebnisse
meiner Arbeit befriedigt (z.B. Kranke heilen, Gerechtigkeit
gewährleisten, Wissen weitergeben, ...)
- Warum sollte die Gesellschaft die Art von Arbeit, die ich tue,
mit Status oder Privilegien belohnen?
Ziel:
Sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung des eigenen
Berufes auseinander setzen
Vorbild
Suche Dir Vorbilder und lerne von ihnen.
Frage Dich:
- Welcher Kollege wird seinem Beruf oder seiner Berufung am
besten gerecht und warum? (Mehrere Nennungen sind möglich)
- Welche "Qualitätsnormen" gibt es innerhalb meiner
Berufssphäre?
Ziel:
Anschauungen und Strategien beruflicher Vorbilder kennen
Eigene Moral
Entwickle ein Gespür für die eigene moralische Identität.
Frage Dich:
- Bin ich auf mich und meine Arbeit stolz, wenn ich morgens in
den Spiegel schaue?
- Würde ich in einer Welt leben wollen, in der sich jeder so
verhält wie ich?
- Welche moralischen Grenzen möchte ich in meiner Arbeit nicht
überschreiten und warum?
Ziel:
Sich über die eigene moralische Identität im Klaren sein.
Zitate
Glück ist gelungene Arbeit.
(Wolfgang Mattheuer, Maler)
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