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| Welches sind
die wichtigsten Lebensthemen? Glück ist wohl eines (daher gibt es
das Glücksarchiv), Liebe ist wohl ein anderes wichtiges,
und daher gibt es neu die Webseite liebewohl.de:
Alles zu den Themen Liebe, gelingende Partnerschaft, sich verlieben,
Krisen bewältigen, sich trennen, Single sein. |
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Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an
der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten in der Schweiz hat
sich intensiv mit den Glücksaspekten aus
volkswirtschaftlicher Sicht beschäftigt und seine
Erkenntnisse im Buch "Die Tretmühlen des Glücks"
festgehalten.
Im Klappentext steht:
"Mehr Wirtschaftswachstum bringt mehr Geld. Wer mehr Geld
hat, kann sich Wünsche besser erfüllen. Aber machen ein
Sportwagen oder eine Luxusyacht glücklich?
Forschungsergebnisse sagen: Nein! Mathias Binswanger macht
deutlich, dass wir in einer Gesellschaft leben, die Glück
geradezu verhindert. Wie entgehen wir den Tretmühlen der
Glücksverheißung: mehr Einkommen, Status, immer neue
Chancen, immer noch mehr Zeitersparnis …? Aus der Sicht eines
Ökonomen: ein Buch über die wirklichen Voraussetzungen des
Glücks."
Hier ein Auszug aus dem interessanten Buch, das im Verlag
Herder erschienen ist, mit freundlicher Genehmigung durch den
Autor.
Die Tretmühlen des Glücks
Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher. Was
können wir tun?
Von Mathias Binswanger
Das Thema des Buches
Das durchschnittliche Glücksempfinden bzw. die Zufriedenheit
der Menschen in entwickelten Ländern nimmt schon lange nicht
mehr zu, obwohl die durchschnittlichen Einkommen sich mit dem
Wirtschaftswachstum stets weiter erhöhen. Das belegt eine
Vielzahl von empirischen Studien. Aber das ist noch nicht alles.
Umfragen zeigen auch, dass sich immer mehr Menschen gestresst
fühlen. Daraus lässt sich eine eindeutige Schlussfolgerung
ziehen: Offenbar leben Menschen nicht so, wie es für sie selbst
am besten wäre.
Es ginge ihnen insgesamt besser, wenn sie mehr Zeit hätten
und dafür auf zusätzliches Einkommen verzichten würden. So
zeigt etwa eine Untersuchung, dass Menschen, die Überstunden
machen und deshalb mehr verdienen, dadurch nicht glücklicher
werden. Trotzdem machen aber viele Menschen freiwillig
Überstunden und streben generell nach einem immer noch höheren
Einkommen. Die interessante Frage lautet deshalb: Wenn die
Menschen ein anderes Verhalten glücklicher machen würde, warum
ändern sie es dann nicht?
Der Grund liegt in den sogenannten Tretmühleneffekten,
welche im Zentrum des Buches Die Tretmühlen des Glücks stehen.
Auf einer Tretmühle kann man immer schneller laufen und diese
immer schneller bewegen, doch man bleibt immer am selben Ort.
Genau gleich verhält es sich mit dem menschlichen Streben,
durch mehr Einkommen glücklicher zu werden. Die Menschen werden
dadurch zwar immer reicher, aber was ihr Glücksempfinden
betrifft, treten sie auf der Stelle. Die Hoffnung auf mehr
Glück wird ständig enttäuscht, dennoch wird an diesem
irrationalen Glauben festgehalten.
Dass Geld nicht glücklich macht, ist keine neue Erkenntnis.
Wir alle kennen diese Redewendung seit früher Kindheit. Aber es
gibt einen neuen Gedanken, der die alte Volksweisheit wieder in
Frage stellt. Er lautet: "Menschen, die behaupten, dass
Geld nicht glücklich macht, wissen nicht, wo einkaufen."
Was ist nun richtig? Die überraschende Antwort lautet: Beide
Aussagen treffen heute zu. Die Glücksforschung zeigt uns
deutlich, dass mehr Einkommen die Menschen in entwickelten
Ländern im Durchschnitt nicht glücklicher macht. Doch es
stimmt auch, dass wir nur selten wissen, was und wo wir
einkaufen sollen, um tatsächlich glücklicher zu werden. Dies
ist aber ein viel tieferes Problem, als es die obige Aussage
suggeriert. Mit der Entwicklung hin zu einer
Multioptionsgesellschaft wird es immer schwieriger, die
Produkte, Dienstleistungen oder Freizeitbeschäftigungen zu
finden, die wir tatsächlich bräuchten, um glücklicher zu
sein. Wir ertrinken in der Fülle von Möglichkeiten und haben
nur mehr selten die Zeit, eine vernünftige Auswahl zu treffen.
Dazu kommt, dass es zwar immer mehr Produkte und
Dienstleistungen gibt, aber Dinge wie Liebe, Erfolg, Gesundheit
oder Schönheit, die wirklich glücklich machen würden, sind
nach wie vor nur selten käuflich erwerbbar. Zwar zeigt die
Werbung ständig Menschen, die dank neuen Produkten, Seminaren,
Kursen oder Diäten liebesfähiger, erfolgreicher, schöner und
gesünder geworden sind. Doch wenn man es dann selbst versucht,
scheitert man oft kläglich. Das "Nicht-Wissen, wo
einkaufen" ist für den modernen Menschen zu einem
existenziellen Zustand geworden, der ihn auf unangenehme Weise
an seine eigenen Grenzen in einer Gesellschaft der scheinbar
unbegrenzten Möglichkeiten erinnert. Mehr Einkommen in mehr
Glück zu verwandeln, wird somit zunehmend zur Sisyphusarbeit.
Wir sind aber nicht dazu verdammt, einfach weiter in den
Tretmühlen zu verharren und uns weiter vergeblich abzurackern.
Wir sollten uns wieder auf den eigentlichen Daseinszweck der
Wirtschaft besinnen, den George Bernhard Shaw folgendermaßen
beschrieben hat: "Ökonomie ist die Kunst, das Beste aus
unserem Leben zu machen." Mit anderen Worten: Es geht nicht
um Einkommensmaximierung, sondern um die Maximierung des
menschlichen Glücks, der Zufriedenheit, der Lebensqualität
oder noch wissenschaftlicher ausgedrückt, des subjektiven
Wohlbefindens. Wozu sonst verdient man schließlich sein Geld,
das man ja bekanntlich am Ende des Lebens nicht mitnehmen kann?
Aus ökonomischer Sicht geht es bei der Suche nach der
Verwirklichung eines glücklichen Lebens um einen zweistufigen
Prozess. Erstens müssen wir ein Einkommen erzielen, damit wir
uns die Dinge überhaupt leisten können, die wir für ein
glückliches Leben brauchen. In dieser Hinsicht sind wir in den
Industrieländern im Allgemeinen Profis. Von klein auf lernen
wir die Fähigkeiten, die es braucht, um in der Arbeitswelt
Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen. Leider reicht das
aber nicht aus, wie viele Menschen in ihrem späteren Leben
schmerzlich erfahren müssen. Man muss auch in der Lage sein,
das verdiente Einkommen so zu verwenden, dass es tatsächlich
glücklich macht. Das ist die zweite und noch schwierigere Stufe
bei der Verwirklichung eines glücklichen Lebens. Und in dieser
Beziehung sind wir oft grauenhafte Amateure. So gut wir beim
Geldverdienen sein mögen, so schlecht sind wir bei der
Umsetzung des Einkommens in Glück oder Zufriedenheit. Die
dafür erforderlichen Fähigkeiten, die sich mit dem
französischen Begriff "Savoir-vivre" oder dem
deutschen Wort "Lebenskunst" umschreiben lassen,
werden uns in der Schule nicht beigebracht.
Ein Mensch, der nur ans Geldverdienen und Karrieremachen
denkt, handelt in Wirklichkeit unökonomisch, weil er damit sein
Glück nicht maximiert. Er verhält sich ineffizient und zwar in
dem Sinn, dass er seine ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen
nicht optimal nutzt. Die wesentlichen Ressourcen für den
einzelnen Menschen sind Zeit und Geld. Das Ziel muss sein, den
optimalen Mix von Zeit und Geld zu finden, der zu einem
möglichst glücklichen Leben führt. Bei der Frage nach dem
Glück des Einzelnen trifft sich somit die ökonomische
Betrachtungsweise mit der Psychologie bzw. der Philosophie. Es
geht um eine Rückbesinnung des eigentlichen Zwecks des
Wirtschaftens, der nicht in der Einkommensmaximierung, sondern
in der Glücksmaximierung besteht.
Jede Zeit produziert ihre eigenen Verrücktheiten, die dann
später kaum mehr nachvollziehbar sind. Schon heute fragen wir
uns, wie es möglich war, dass sich die Menschen in Russland und
anderen osteuropäischen Ländern ihr Leben über fast 100 Jahre
mit dem Kommunismus vermiesen ließen. Und unser Verständnis
hört ganz auf, wenn es um Inquisition oder Hexenverbrennungen
geht, womit Kirche und staatliche Justiz über lange Zeit Angst
und Schrecken verbreiteten. Doch wir sollten vorsichtig sein.
Spätere Generationen werden sich wahrscheinlich auch einmal
fragen, warum sich die Menschen in der heutigen Gesellschaft
trotz eines zuvor nie da gewesenen Wohlstands ständig noch mehr
stressen ließen, statt diesen Wohlstand zu genießen. Vor fast
2000 Jahren degenerierte das damals reiche Rom, weil sich seine
Bürger buchstäblich zu Tode amüsierten. Im Vomitorium
steckten sie sich einen Finger in den Hals, um die gerade
genossenen Leckerbissen wieder heraus zu kotzen, damit sie noch
mehr Köstlichkeiten zu sich nehmen konnten. So erfanden die
alten Römer ständig noch perversere und raffinierte Methoden,
um ihren Wohlstand zu verprassen. Doch dieser
Degenerationsprozess war immerhin unterhaltsam und mit einem –
wenn auch fragwürdigen – Genuss verbunden. In den
Industrieländern laufen wir heute jedoch Gefahr, auf eine viel
unattraktivere Art zu degenerieren. Es lohnt sich, dagegen etwas
zu unternehmen.
Die vier Tretmühlen
Was sind nun aber genau die Tretmühlen des Glücks? Im
wesentlichen lassen sich vier solcher Tretmühlen unterscheiden.
Als erstes haben wir die sogenannte Statustretmühle. Auf der
ganzen Welt empfinden die Menschen tiefe Befriedigung darin,
mehr zu verdienen oder zu besitzen als ihre Kollegen, Nachbarn,
Freunde oder Familienmitglieder, denn das bringt sozialen
Status. Allerdings gibt es da folgendes Problem: nicht alle
können mehr als der Durchschnitt verdienen. Deshalb wird das
Streben nach mehr Einkommen von allen für die Wirtschaft als
ganzes zu einem Nullsummenspiel. Auch wenn das allgemeine
Einkommensniveau in einem Land absolut ständig ansteigt, bleibt
doch eine Mehrheit der Bevölkerung unter dem
Durchschnittseinkommen und blickt neidvoll auf die oberen
Zehntausend.
Die starke Bedeutung des relativen Einkommens für das Glück
und die Zufriedenheit der Menschen ist somit eine erste
Erklärung für die zu beobachtende Stagnation des subjektiven
Wohlbefindens in entwickelten Ländern. Solange ein Land arm
ist, zählen erst einmal die absoluten Bedürfnisse wie Essen
und ein Dach über dem Kopf. Doch kaum sind die
Grundbedürfnisse abgedeckt, gewinnen soziales Prestige und
Status immer mehr an Bedeutung. Die Menschen fangen an, sich mit
den übrigen Bürgerinnen und Bürgern ihres Landes zu
vergleichen, und verhindern damit einen weiteren Anstieg ihres
eigenen Glücksempfindens.
Ein weiterer Tretmühleneffekt kommt dadurch zustande, dass
die Menschen sich relativ rasch an ein höheres Einkommensniveau
gewöhnen und dieses nach kurzer Zeit als selbstverständlich
betrachten. Und was selbstverständlich ist, macht nicht mehr
glücklich. Dies ist die sogenannte Anspruchstretmühle (hedonic
treadmill), ein aus der Psychologie importierter Begriff. So
weiß man etwa, dass ein Lottogewinn den Empfänger für kurze
Zeit sehr glücklich macht, aber bald danach pendelt sich das
Glücksempfinden wieder auf seinem Normalzustand und der
Lottogewinner ist so glücklich oder unglücklich wie vor dem
Gewinn. Dieses Beispiel ist typisch für die Freude an
materiellen Dingen, die meist nur von kurzer Dauer ist. Egal ob
ein neues Auto, ein neues Haus oder ein neues Mobiltelefon. Die
anfängliche Freude verpufft nach kurzer Dauer und der höhere
materielle Wohlstand wird im allgemeinen erst dann wieder
geschätzt, wenn er vom Verschwinden bedroht ist.
Auch die Entwicklung zur Multioptionsgesellschaft führt zu
einem Tretmühleneffekt, der sich als Multioptionstretmühle
beschreiben lässt. Mit dem Wirtschaftswachstum ist eine immer
größere Vielfalt an Gütern und Dienstleistungen verbunden.
Gleichzeitig sind religiöse Tabus weggefallen, welche dem
menschlichen Handeln früher moralische Grenzen setzten. Die
Optionen für Arbeit, Freizeit und Konsum nehmen ständig zu,
"anything goes". Aber der Entscheid für die richtige
Option wird dadurch immer schwieriger, da die stets steigende
Zahl an Optionen auf ein konstantes Zeitbudget trifft. Die
Auswahl wird so von einem Dürfen zu einem Müssen und damit zu
einer Tyrannei. Ein gutes Beispiel dafür ist die Entwicklung
des Fernsehens. Zu Beginn der 50er Jahre, als der Fernseher die
Wohnstuben eroberte, hatten die meisten Menschen in Europa noch
keine Programmauswahl und mussten sich mit einem nationalen
Fernsehprogramm begnügen. Was für eine Freude war es da, als
endlich auch ausländische Sender empfangen werden konnten und
zweite oder sogar dritte nationale Programme entstanden. Die
neue Auswahlmöglichkeit emanzipierte die Menschen von der
Programmdiktatur des nationalen Monopolprogramms und diese waren
nun endlich in der Lage, ihr eigenes Programm für den
Fernsehabend zusammenstellen. Doch bald wurde aus dem Segen ein
Fluch. Mit der Entwicklung von Kabel- und Satellitenfernsehen
stieg die Zahl der empfangbaren Fernsehprogramme bald einmal auf
über hundert und heute kann man gut und gerne zwischen 1000
Fernsehprogrammen auswählen. Nur leider ist unter solchen
Bedingungen eine vernünftige Auswahl nicht mehr möglich.
Entweder man verbringt den Rest des Lebens damit, sämtliche
Fernsehprogramme zu studieren, oder man zappt sich wahllos durch
das Angebot. Und häufig beschränken sich die Menschen einfach
auf ein paar wenige Programme und ignorieren den Rest, womit die
de facto wieder auf der gleichen Stufe wie in den 60er Jahren
sind. Niemals hat das Fernsehen mehr Freude gemacht als zu der
Zeit, als es nur wenige Programme gab und man sich noch auf eine
ganz spezielle Show oder einen Film freuen konnte.
Schließlich gibt es auch noch eine Zeitspartretmühle, die
uns ebenfalls zu schaffen macht. Technischer Fortschritt führt
dazu, dass wir bestimmte Aktivitäten immer schneller und in
kürzerer Zeit durchführen können. Trotzdem gelingt es uns im
allgemeinen nicht, tatsächlich Zeit zu sparen, denn es kommt zu
einem sogenannten "Rebound Effekt". Je schneller eine
Aktivität durchgeführt werden kann, umso mehr und umso
häufiger wird sie durchgeführt. Das beste Beispiel dafür ist
der Verkehr. Je schneller die Transportmittel werden, umso
weiter und häufiger fahren wir. Die für Transport aufgewendete
Zeit bleibt immer ungefähr konstant, ganz egal mit welchen
Transportmitteln wir uns fortbewegen. Das ist die sogenannte
Constant Travel Time Hypothese, die praktisch weltweit
Gültigkeit besitzt. Sowohl in Tansania als auch in den USA
wenden die Menschen pro Tag etwa 70 Minuten für Mobilität auf.
Nur tun sie dies in Tansania zu Fuß, während die Fortbewegung
in den USA fast ausschließlich mit den Auto stattfindet. Mit
anderen Worten: wann immer wir das Straßennetz ausbauen oder
Hochgeschwindigkeitsverkehrsmittel einführen, dann fangen die
Menschen sofort an, größere Distanzen zurückzulegen.
Zeitsparen wird so zu einer Illusion, und das gilt nicht nur
für den Verkehr.
Wie entkommt man den Tretmühlen?
Das Buch enthält insgesamt 10 Strategien, die uns dabei
helfen können, den Tretmühlen des Glücks zu entgehen (siehe
Tabelle). Wie man leicht erkennen kann, gelten diese Strategien
nicht nur für einzelne Menschen, sondern auch für Unternehmen
und den Staat. Ohne deren Mithilfe werden wir den Tretmühlen
nicht entkommen.
Die Strategien passen allerdings mehrheitlich nicht zum
gegenwärtigen Zeitgeist, der sich in Formulierungen spiegelt
wie: "Gib dich nie mit dem zweiten Platz zufrieden!",
"Gib nicht auf, bevor du ganz oben bist!", "Gut
ist nicht gut genug!"
oder "Du schaffst es, wenn du nur wirklich
willst." Alles soll immer noch besser, noch profitabler,
noch effizienter und noch innovativer werden. Aber genau dieses
Denken beschleunigt die Tretmühlen und hindert uns am Glück.
Strategien gegen die Tretmühlen
|
Strategie
|
Handlungsebene
|
Welcher Tretmühle entgeht man damit?
|
| 1. Wahl des richtigen Teiches! |
Individuell |
Statustretmühle |
| 2. Attraktives Sozialleben
statt Anhäufung materieller Güter! |
Individuell |
Multioptionstretmühle,
Anspruchstretmühle |
| 3. Nicht immer nach dem Besten
suchen! |
Individuell |
Multioptionstretmühle |
| 4. Vermeidung von stressigen
Formen des Familienlebens! |
Individuell |
Zeitspartretmühle |
| 5. Nutzung der Potenziale für
räumliche und zeitliche Flexibilisierung! |
Unternehmen, individuell |
Zeitspartretmühle |
| 6. Keine Verherrlichung von
Effizienz, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Reformen! |
Unternehmen, Staat, individuell |
Zeitspartretmühle |
| 7. Einführung von
verpflichtenden Beschränkungen! |
Unternehmen, individuell |
Zeitspartretmühle,
Multioptionstretmühle, Statustretmühle |
| 8. Kampf der Ranking-Manie! |
Unternehmen, Staat |
Statustretmühle,
Anspruchstretmühle |
| 9. Beschränkung der
Spitzensaläre statt mehr staatlicher Umverteilung! |
Unternehmen, Staat |
Statustretmühle |
| 10. Förderung der Lebenskunst |
Individuell |
Alle Tretmühlen |
Als Beispiel sei hier die erste Strategie, die Wahl des
richtigen Teiches, kurz vorgestellt. Aufgrund der
Statustretmühle hängt das Glück der meisten Menschen vom
Vergleich mit Anderen ab. Besonders der Beruf spielt in diesem
Zusammenhang eine wichtige Rolle. Hochrangige und gut bezahlte
Positionen sind zum ultimativen Statussymbol geworden. Die
meisten Menschen sind jedoch weder hoch bezahlte Manager noch
erfolgreiche Anwälte oder berühmte Ärzte. Und erst recht sind
sie keine gefeierten Schauspieler, Popstars, berühmte
Spitzensportler oder gar eine weltbekannte Persönlichkeit. Wir
sind fast alle kleine Frösche in einem großen Teich. Der beste
Weg zu mehr Zufriedenheit für solche kleinen Frösche wäre
natürlich, die großen Frösche einfach zu ignorieren und sich
nicht mehr mit ihnen zu vergleichen. Aber das schaffen im
Allgemeinen nur Heilige, Eremiten oder Verrückte.
Untersuchungen legen nahe, dass die Menschen mit einer inneren
Stimme auf die Welt kommen, die sie antreibt, so weit wie
möglich auf der Hierarchieleiter nach oben zu klettern. Normale
Menschen kommen also kaum umhin, sich mit anderen zu
vergleichen. In diesem Punkt (und nicht nur in diesem) sind die
Menschen den Affen sehr ähnlich. Kommt ein Affe in eine neue
Gruppe, wo er einen höheren Status besitzt, dann steigt sein
Serotoninspiegel. Und Serotonin ist der Botenstoff im Gehirn,
den man mit Glücksgefühlen in Verbindung bringt.
Doch es gibt eine einfachere Möglichkeit, die Wirkung der
Statustretmühle zu mildern. Wenn die Frösche um uns herum zu
groß sind, dann sollten wir uns einfach einen anderen Teich
suchen und auf diese Weise unsere Position verbessern. Karl Marx
hat einmal gesagt: "Ein Haus kann groß oder klein sein. So
lange die Häuser in der Nachbarschaft genau so klein sind, ist
es vollkommen ausreichend. Wenn aber neben einem kleinen Haus
ein Palast entsteht, wird das kleine Haus zur Hütte." Wer
sich (also) nur ein kleines Haus leisten kann, sollte es nicht
direkt neben einen Palast bauen. Das wäre sicher der falsche
Teich. Besser ist es, sich eine Gegend zu suchen, in der alle in
kleinen Häusern wohnen. Sonst ist der Tag schon verdorben, wenn
man morgens aus der Haustür tritt und mit dem Palast von
nebenan konfrontiert wird.
Beispiele aus dem Sport zeigen, wie die Wahl des richtigen
Teiches dabei hilft, den körperlich unterschiedlich
beschaffenen Wettkämpfern gerecht zu werden, etwa in der
Unterscheidung von Gewichtsklassen beim Boxen oder Gewichtheben.
50-Kilo schwere Männer müssen nicht "David gegen
Goliath" spielen, indem sie auf 120 Kilo
Schwergewichtsboxer treffen. Und sie müssen sich nicht
demütigen lassen, indem sie sich abmühen, ein Gewicht zu
stemmen, das schwerere Wettkampfgegner mit einem Arm heben.
Natürlich haben nicht alle Gewichtsklassen das gleiche Prestige
und ein Schwergewichtschampion besitzt mehr Ansehen als ein
Champion im Fliegengewicht. Trotzdem ist es für ein
Fliegengewicht besser, Champion in seiner Gewichtsklasse zu sein
(großer Frosch in kleinem Teich) als sich von einem Koloss in
der prestigeträchtigen Superschwergewichtsklasse K.O. schlagen
zu lassen (kleiner Frosch in großem Teich). Es braucht eine
Vielfalt von lokalen Teichen, damit möglichst viele Menschen
irgendwo einen großen Frosch abgeben können. Ein "local
hero" zu sein ist nämlich weit befriedigender als die
Position des "global loser". |
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