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Der
Psychologe Martin
Seligman forschte jahrlang zu den Themen "Erlernte
Hilflosigkeit", "Depression" und
"Pessimismus", bevor er sich den positiven Aspekten
der menschlichen Psyche zuwandte, u.a. den Bereich "Positive
Psychologie" mitbegründete und erforschte, warum
manche Menschen dem Leben eher optimistisch, andere
dagegen eher pessimistisch gegenübertreten. Seine Ergebnisse
hat er in mehreren Büchern festgehalten, die in der Erkenntnis
enden: "Optimismus
kann man lernen".
Nach Seligman unterscheiden sich Optimisten von Pessimisten
dadurch, dass sie für beliebige Situationen ihres Lebens
grundlegend unterschiedliche Erklärungen (oder auch
Rechtfertigungen) haben, warum sie in solche Situationen
gekommen sind. Diese Erklärungen lassen sich dabei auf drei
Dimensionen unterscheiden: Dauerhaftigkeit, Geltungsbereich und
Personalisierung.
Dauerhaftigkeit
Pessimisten halten die Ursachen für unangenehme
Ereignisse, in die sie geraten, für dauerhaft und bleibend,
Optimisten dagegen halten die Ursachen für zeitweilig und
vorübergehend. Beispiele von Seligman dafür sind:
| Optimistisch
(zeitweilig) |
Pessimistisch
(dauerhaft) |
| "Ich bin
gerade erschöpft." |
"Ich bin
total am Ende." |
| "Du redest in
letzter Zeit nicht mit mir." |
"Du redest
nie mit mir." |
Umgekehrt, bei angenehmen Ereignissen, glauben
Optimisten eher daran, dass diese Ereignisse dauerhafte Gründe
haben, während Pessimisten davon ausgehen, dass sie nur
zeitweilige Gründe haben. Beispiele dafür sind:
| Optimistisch
(dauerhaft) |
Pessimistisch
(zeitweilig) |
| "Ich habe
immer Glück." |
"Ich hatte
einen guten Tag." |
| "Ich bin
begabt." |
"Ich strenge
mich sehr an." |
Geltungsbereich
Pessimisten übertragen Fehlschläge, die sie in einem
bestimmten Bereich hinnehmen müssen, ins Allgemeine, sie
generalisieren (global), während Optimisten durch einen
Fehlschlag in einem bestimmten Bereich andere Bereiche ihres
Lebens unbeeinflusst sehen (spezifisch). Anschauliche Beispiele
dafür sind:
| Optimistisch
(spezifisch) |
Pessimistisch
(global) |
| "Ich bin ihm
widerwärtig." |
"Ich bin
widerwärtig." |
| "Dieses Buch
ist nutzlos." |
"Bücher sind
nutzlos." |
Auch hier gilt, wie schon bei der Dauerhaftigkeit, dass es
bei positiven Ereignissen genau umgekehrt ist. Optimisten
glauben, dass sich erfreuliche Ereignisse auf alles andere
positiv auswirkt, während Pessimisten glauben, erfreuliche
Ereignisse würden nur durch ganz bestimmte Umstände
verursacht. Seligman liefert dazu folgende Beispiele:
| Optimistisch
(global) |
Pessimistisch
(spezifisch) |
| "Ich bin
gut." |
"Ich bin gut
in Mathe." |
| "Mein
Finanzberater kennt sich in der Wall Street gut aus." |
"Mein
Finanzberater kennt sich bei Ölaktien gut aus." |
Personalisierung
Pessimisten geben sich selbst die Schuld für Fehlschläge,
unangenehme Ereignisse usw. (internal) und haben daher eher
ein schwaches Selbstwertgefühl. Optimisten suchen die Gründe
für Fehlschläge dagegen eher bei anderen Menschen oder den
Umständen (external) und haben ein starkes Selbstwertgefühl.
Beispiele:
| Optimistisch
(external) |
Pessimistisch
(internal) |
| "Ich habe
kein Glück beim Pokerspielen." |
"Ich habe
kein Talent zum Pokerspielen." |
| "Ich bin in
Armut aufgewachsen." |
"Ich bin
unsicher." |
Schließlich gilt auch hier wieder die Umkehrung bei erfreulichen
Ereignissen: Optimisten glauben, dass sie selbst Gutes
herbeiführen können, Pessimisten glauben, dass Gutes von
anderen Menschen kommt oder den Umständen zu verdanken ist.
Beispiele:
| Optimistisch
(internal) |
Pessimistisch
(external) |
| "Ich kann
günstige Umstände gut nutzen." |
"Ein
Glückstreffer..." |
| "Meine
Fähigkeiten..." |
"Die
Fähigkeiten meiner Mitstreiter..." |
Hoffnung
Neben den oben genannten drei Dimensionen geht Seligman noch
auf den Aspekt Hoffnung ein. Seiner Meinung nach ist
Hoffnung wahrscheinlich der wichtigste Aspekt bei Optimismus
bzw. Pessimismus. Hoffnung setzt sich danach zusammen aus zwei
der drei Dimensionen, nämlich dem Geltungsbereich und der
Dauerhaftigkeit. Hoffnung heißt, zeitweilige und spezifische
Ursachen für unser Unglück zu finden, im Gegensatz dazu heißt
Verzweiflung, dauerhafte und globale Gründe für unser Unglück
zu finden. Beispiele, die aus den genannten Dimensionen
entnommen sind, lauten:
| Optimistisch
(hoffnungsvoll) |
Pessimistisch
(hoffnungslos) |
| "Ich habe
eine schlechte Phase." |
"Ich bin
dumm." |
| "Wahrscheinlich
bedeutet dieser Knoten nichts." |
"Wahrscheinlich
bedeutet dieser Knoten Krebs." |
Seligman stellt in seinem Buch "Pessimisten
küßt man nicht. Optimismus kann man lernen" ein
Programm vor, mit dessen Hilfe sich Pessimisten zu Optimisten
verändern können. |
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