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die wichtigsten Lebensthemen? Glück ist wohl eines (daher gibt es
das Glücksarchiv), Liebe ist wohl ein anderes wichtiges,
und daher gibt es neu die Webseite liebewohl.de:
Alles zu den Themen Liebe, gelingende Partnerschaft, sich verlieben,
Krisen bewältigen, sich trennen, Single sein. |
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Sieben Tage des Glücks
Von Nina Elina Stenitzer
Erster Tag
Ich sitze auf den Felsen und lausche dem finnischen
Vogelgesang. Das Meer ist ruhig, nur ganz leicht bläst eine
kühle Brise über die blaugraue Salzwasseroberfläche.
Wie so oft, wenn ich dieses eigenartige, schwer zu
beschreibende melancholische Stechen in mir fühlte, hatte ich
mir einen geeigneten Platz auf einem der tausend Felsen
gesucht... ein abgelegenes Plätzchen, wo Gedanken frei fließen
können.
Ein schwarzweißer Wasservogel stochert eifrig mit seinem
leuchtendroten Spitzschnabel in den Kiessand – auch er sucht
Nahrung... . Geistige Nahrung ist es, was ich suche.
Warum nur diese Melancholie? Veranlagung natürlich, meine
finnischen Gene haben sich durchgesetzt. Könnte ich nur einmal
davonfliegen wie dieser herrliche nordische Schwan... mich
erheben, kraftvoll meine Flügel schwingen und mich vom wilden
Wind tragen lassen.
Ist das Herz ohne Verstand? Und welche Erklärung könnte ich
finden? Hatte ich nicht geglaubt, mein Glück gefunden zu haben,
schon so manches Mal? Sollte ich nicht dankbar sein für jede
Erfahrung, die ich machen durfte, für jede Lehre, die ich aus
Erlebtem ziehen durfte? Und... ja, vielleicht sollte ich auch
froh sein über meine Melancholie. Barg diese nicht
unerklärliche Seelenzustände und entfernte, lang ersehnte
Erfüllungen? Half mir diese nicht indirekt dabei, der grausamen
Realität zu entfliehen, dieser Welt aus Zufällen und
Kettenreaktionen?
Werde ich nach dem Sinn des Lebens gefragt, so lautet meine
Antwort: „Glücklich zu sein!“ Doch die Definition von
diesem unbegreifbaren Zustand nimmt stets andere Dimensionen an,
ist immer wieder eine andere. Seltsam. Gemeinsam haben diese
lediglich, dass jene Momente der Seeligkeit uns viel zu kurz
erscheinen... . Aristoteles beispielsweise definierte Glück als
ein Gefühl – und zwar „jenes, welches wir um seiner selbst
willen anstreben, ohne daneben nach einem anderen Ziel zu
streben“. Eine andere Deutung stammt von Epikur, welcher
Glück simpel als Abwesenheit von Leid darstellte. Hierzu hätte
ich allerdings liebend gerne mit dem werten Epikur eine
Diskussion eingeleitet: Wie können wir Glück erleben, ohne
auch Leid und Unglück erfahren zu haben? Wie können wir
Schönheit erkennen, ohne nicht auch die Hässlichkeit gesehen
zu haben?
Zweiter Tag
Wieder einmal sitze ich auf einem Felsen. Nein, nicht auf
demselben, sondern auf einem kleineren, an einem
Süßwasserteich gelegenen Exemplar. Heute scheint die späte
Abendsonne und kitzelt mich in der Nase. Geruch von feuchtem
frischen Gras und Frühlingsluft durchströmen mich. Da mache
ich Bekanntschaft mit einem niedlichen Feldhasen! Dieser war,
als ich den kleinen Pfad zum erwählten Felsvorsprung
einschlagen hatte, einige Meter vor mir plötzlich aus einem
Gebüsch erschienen und vor mir davongesprungen. Er (oder sie,
Verzeihung) hatte sich anschließend, im Glauben, niemand hätte
ihn beobachtet, in einem naheliegenden Gestrüpp verschanzt.
Trotz der perfekten Tarnung spüre ich seine Gegenwart. Ja, ich
beginne eine „stille Kennenlernkonversation“ mit ihm (ihr).
Zunächst vergesse ich völlig, dass es sich hier ja um einen
finnischen Hasen handelte, woraufhin ich dann die Sprache
wechsele. Mein Monolog hat eine famose Wirkung auf mich (nicht
auf den Hasen): Ich fühle mich plötzlich nicht mehr so einsam!
Zugleich – so meine Hoffnung – habe ich einen neuen Freund
gefunden, einen pelzigen und geduldigen Zuhörer, der weder
schlaue Ratschläge gibt noch versucht, mich zu belehren... er
hört einfach nur zu!
Freunde... wahre Freunde zu finden und vor allem nicht zu
verlieren gehört zu einem der schwierigsten Projekte in meinem
Leben. Keine leichte Aufgabe... jedoch möglich! Freunde, die
man „verwandte Seelen“ nennen darf. Freundschaften, die
Krisen überleben. Freundschaften, die sogar über Entfernungen
und zeitliche Distanzen hinweg lebendig bleiben, durch
beidseitige Pflege und Sorgfalt. Am besten geht man wie ein
Gärtner vor, der seine Pflanzen unter liebevollem Einsatz von
Geduld, Regelmäßigkeit, Aufmerksamkeit, Empathie und gutem
Willen versorgt.
Der wahre Freund ist – unabhängig von Aussehen und
Herkunft, Rang und Namen, Beruf und Position – wie er ist,
akzeptiert und geliebt. In allen Lebenslagen und bedingungslos.
Ohne Autorität. Ohne Vergleiche. Ohne Leistungsdenken. Einfach
so!
Dritter Tag
Sonne, oh finnische Sonne! Wärme mein Herz, denn dieses
friert. Umarme mich kleine Kreatur mit deinen Strahlen und gib
mir Kraft! Erde, fruchtbare Mutter Erde, halte mich fest und gib
mir Nahrung. Wind, oh Bruder Wind, umwehe mich und geh nicht
fort!
Wie Kristalle glitzert die Sonnenspiegelung im gekräuselten
Meeresspiegel, hell und leuchtend. Ich sitze windgeschützt auf
einem Felsvorsprung, an eine Felsenwand gelehnt. Über mir
kreischt eine Lachmöwe. Auch sie hat eine Geschichte zu
erzählen... vom Fischfang, von waghalsigen Sturzflügen ins
kühle Nass und von futterneidigen Geschwistern, die versuchen,
ihr das Abendessen abspenstig zu machen. Sie erzählt auch von
lauwarmen Sommerabenden und –nächten, in denen die Familie
gemeinsam ihre Runden dreht und sich auf Felsen niederlässt, um
zu beraten.
Familie... eine glückliche Vereinigung blutsverwandter
Seelen. Ja, ich denke, Familie bedeutet Zusammenhalt und Hilfe,
gemeinsame Pläne und Projekte, Unternehmungen und
Beisammensein. Die familiäre Wärme, das gegenseitige
Verständnis und Entgegenkommen in schwierigen Situationen sind
etwas Wunderbares. Zu wissen, dass man zusammenhält, möge da
kommen was wolle. Eltern, Kinder und Kindeskinder... die
Verbindung zwischen den Generationen ist wichtig, denn wir
lernen gegenseitig voneinander. Und es ist wie es ist – was in
der Kindheit beginnt, setzt sich im Erwachsenenalter fort:
Eltern bleiben immer Eltern und lernen möglicherweise niemals,
loszulassen. Gewisse Rituale bleiben aufrecht, auch wenn die
Umstände sich ändern. Kinder bleiben stets die Kinder, egal
wie alt sie sind. Vielleicht ist das Geheimnis des
Familienglücks die Akzeptanz dieser Tatsache: Wir sind wie wir
sind, wir alle brauchen Verständnis für unsere „kleinen
Schwächen“, für unsere vielgemachten, wiederholten Fehler...
Doch wir sind nichts desto weniger alle „Familientiere“ und
brauchen diese. Zusammengehörigkeit trotz aller
Schwierigkeiten!
Vierter Tag
Liebe... ich erfahre diese am Wärmsten und Aufrichtigsten in
der Natur. Tiermamas, die ihre Jungen wachsam und zärtlich
zugleich umsorgen, leiten, füttern, reinigen und den
Körperkontakt suchen. Diese Zuneigung und Verbindung sind
Ausdruck eines natürlichen Bedürfnisses.
Ich sitze heute auf demselben Felsen wie am Vortag und
genieße die Mittagssonnenwärme. Dort, nur wenige Meter von mir
entfernt, hat gerade eine Entenmutter ihre Schar runder,
weicher, niedlicher Küken durch die Gewässer geleitet... . Und
dort, da streiten zwei verliebte Entenerpel um eine
heißbegehrte Dame: Schlussendlich gibt der schwächere Rivale
auf. Ente gut, alles gut – die beiden werden ihr Leben lang
treu beisammen bleiben!
Sicher, wir Menschen haben diese Biologie auch mitbekommen
und beibehalten. Schade nur, dass unsere Instinkte zum Grossteil
verloren gegangen sind und durch „Zivilisation“ ersetzt
wurden. Ich muss schmunzeln bei diesem Gedanken... . Wenn wir
uns stolz „zivilisierte Menschen“ nennen, halten wir uns da
nicht selber zum Narren? Wir haben „unsere Gefühle im Griff“,
steuern und planen unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nach
festgesetzten Regeln und rationalen Überlegungen. Zudem scheint
aus Zeitmangel und fehlender Geduld die Liebe zu einem „All-in-one-und-Wegwerf-Produkt“
geworden zu sein - als wären wir alle sogenannte „Liebesobjekte,
die jederzeit austausch- und ersetzbar“ seien. Austauschbares
Glück?
Optimistisch verwerfe ich diese traurigen Gedanken. Schließe
die Augen, lasse die Sonne in mein Gesicht scheinen und lausche
dem Wind. Liebe... dieses Wort zergeht wie Schokolade auf meiner
Zunge. Für den anderen da zu sein, sich auf den anderen
einzulassen und gemeinsam in die selbe Richtung zu wandern...
Ist Liebe unausweichlich Glück, dass vergänglich ist? Nach ein
paar Minuten des Nachdenkens antworte ich: Nein, das muss es
nicht sein! Dieses Wunder, welches ganz plötzlich kommt – wir
wissen nicht, woher -, und wächst, und existiert und
unerklärlich ist. Ein Phänomen! Liebe ist so wunderbar, ach,
könnte ich nur besser damit umgehen!
Fünfter Tag
Spielerisch schlagen kleine Meereswellen an den Kiesstrand.
Wie gekräuselte Falten heben sie sich gegen den festen
Untergrund und wirbeln Sand, Steine und Tang auf. Lebendiges
Nass, welches kommt und geht. Momentan sanfte Wellen, die an
einem stürmischen Tag in gewaltige Riesenwellen umschlagen
können. Ebbe und Flut, Wind und Wetter, Ursache und Wirkung...
Die Naturgesetze gelten für alle, für Fauna und Flora sowie
für uns Menschen. Sind wir doch nur ein kleines Glied in der
Kette, halten wir uns aber oft für viel zu wichtig. Unsere
Machtlosigkeit zeigt sich in Situationen, in denen die
Urgewalten und Naturgesetze uns lehren, dass wir den Lauf des
Lebens nicht beherrschen können. Leben und Tod, Sein und
Nichtsein – die wesentlichen Ereignisse bringt das Leben
selbst, ohne unser Zutun.
Die wichtigen Dinge des Lebens lernen wir meist erst in
Grenzsituationen zu schätzen. Oder in Situationen, in denen wir
einen Verlust erleben... Verlust beispielsweise eines geliebten
Menschen oder Tieres. Nachdenklich stochere ich mit einem Stock
in den Kiessand... . Könnte man bloß die Momente des Glücks
wahrnehmen und schätzen, so, wie sie sind. Nicht mehr und nicht
weniger. Warum gelingt dies so selten? Warum des Nachts um die
Sonne weinen und dabei wegen der Tränen die Sterne nicht sehen
zu können? Paradox!
Warum nicht akzeptieren, dass Tag und Nacht beide existieren
– nur eben nicht gemeinsam, sondern in abwechselndem Rhythmus.
Sie bedingen einander, und ohne das eine wäre das andere nicht
möglich. Logisch, oder?
Sechster Tag
Heute sitze ich auf keinem Felsen, denn es regnet in
Strömen. Stattdessen habe ich mich in ein kleines, helles und
gemütliches Kaffee in der Nähe des Teiches geflüchtet, wo ich
nun sitze und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Diese gleichen
heute dem Wetter... wie wilde Wassertropfen stürmen sie auf
mich ein...
Woher kommen die Gedanken? Wohin gehen sie? Und wer kann nun
schlussendlich wirklich sagen, was Glück bedeutet? Existiert
überhaupt so etwas wie „allgemeines Glück“? Und gibt es
Vorraussetzungen für das Glück?
Wie finden, wenn man nicht genau weiß, wo man zu suchen
anfängt? Und ist die Suche sinnvoll? Vielleicht vergesse ich
bei der ganzen Sucherei vollends das Leben... . Ich habe
verschiedenste Dinge über Glück gelesen. Eine Theorie besagte,
man sei glücklich, wenn man „optimal ausgelastet“ sei. Was
aber, wenn die Gedanken trotz alledem konfus über einen
hereinbrechen und wenn man trotz „Auslastung“ und
Beschäftigung fühlt, dass ein Teilchen im Puzzle fehlt?
Was, wenn man diese Lücke durch etwas füllen möchte? Und
man findet tausenderlei Möglichkeiten, diese auszufüllen!
Beispielsweise durch materielle Güter (ich muss bei diesem
Ausdruck schmunzeln, denn er erinnert mich lebhaft an meine
Schulzeit, nämlich an den verabscheuten
Betriebswirtschaftslehreunterricht), durch Anhäufung von
Besitztümern (wieder BWL), oder durch Erlangung von
professionellen Rängen oder Titeln (dies wiederum erinnert mich
an meine Universitätszeit und an so manche
sich-wichtig-machende Dipl. Ing. Dr. Dr. Phil.). Auf anderer
Ebene findet das Ausfüllen der Leere durch Beziehungen statt,
die manchmal zwanghaft erscheinen mögen (abermals muss ich
grinsen, denn ich erkenne mich natürlich wieder!).
Fazit: Der Regen hat aufgehört, mein Kopf raucht vom vielen
Gegrübel und – die Lücke ist noch immer vorhanden... . Aber
nur nicht aufgeben!
Siebter Tag
Ich sitze auf einem sonnenbeschienenen Felsen und genieße...
Genieße ein großes Schokoladen-Vanilleeis mit frischer Waffel,
genieße die Nachmittagswärme, genieße meine Freiheit. Momente
wie diese muss man einfach schätzen!
Die süße Schokolade und das Eis zerlaufen auf meiner Zunge
– sie schmecken nach Juni, nach Mittsommernacht, nach Freude,
nach Leben. Der frische Wind zerzaust meine Haare (gut, dass ich
keine richtige „Frisur“ besitze, denke ich schmunzelnd),
kräuselt die Wasseroberfläche und lässt die saftig grünen
Gräser tanzen. Eine zufriedene, entspannte Müdigkeit beginnt
mich zu durchdringen... . Ich spüre, wie Anspannung und
Rastlosigkeit von mir abfallen. Das könnte eigentlich immer so
sein, denke ich bei mir.
Auch mein Herz ist ein bisschen friedlicher geworden. Es hat
– schüchtern aber doch – eine Gewissheit in sich wachsen
lassen: Dass es nämlich Liebe gibt und diese auch für mich
existiert! Dass es wert ist, dafür zu kämpfen, gegen alle
Widerstände und Schwierigkeiten.
Liebe ist was sie ist, unerklärliches Wunder.
Glück... Vielleicht ist Glück, nicht zu vermissen, was man
nicht hat, sondern das zu schätzen, was man hat! „Carpe Diem“
– ein weiser Rat zum Glücklichsein. |
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